ajna-cakra, Bild von Benjamin Balazs auf pixabay

Purna Matsyendrasana – vollständiger Drehsitz

Damit du den Ausdruck jeder einzelnen Stellung mit einigen Gedanken auf dich wirken lassen kannst, findest du hier in der Rubrik Asana-Zitate jedes Foto einzeln aufgeführt, zusammen mit einem kurzen Text. Die Texte widmen sich verschiedenen Aspekten zum tieferen Sinn des Yoga-Übens. Wer sich für das Erlernen dieser schönen Positionen interessiert, sollte sich an einen kompetenten Yogalehrer wenden, um Fehler in der Praxis zu vermeiden!

pūrṇa matsyendrāsana

Purna Matsyendrasana-Heinz Grill

Vollständiger Drehsitz mit “Weite des Bewusstseins und Entspannung in den großen Gelenken des Körpers”¹

Wer unter den Yogapraktizierenden diese Position bereits einmal ausprobiert hat, wird schnell die Erfahrung gemacht haben, dass sie für die meisten Europäer wohl nicht durchführbar ist. Die Anforderung an die Beweglichkeit der Hüftgelenke übersteigt das in unseren Breitengraden übliche Maß. Menschen asiatischer Herkunft hingegen, denen das Sitzen am Boden oder das Sitzen in der Lotusposition sozusagen in den Genen liegt, werden vielleicht eher den Zugang zu dieser sehr anspruchsvollen Yogaübung finden.

Aber auch in den einfacheren Formen des Drehsitzes, genannt ardha matsyendrāsana², der halbe Drehsitz, fühlt man sich nur allzu schnell wie im eigenen Körper “verknotet”. Umso aufschlussreicher ist die Chakren-Zuordnung, die Heinz Grill zu dem Drehsitz gibt, wenn er ihn dem 6. Energiezentrum an der Stirn zuordnet:

Das Haupt im Lichte der Gedanken und ausströmenden Sinnesorgane wacht in weiser Übersicht über die übrige Körperlichkeit. Der Gedanke lenkt die Sinnesprozesse. So wie der Kopf vollkommen frei über die Spannungen der Körperlichkeit und der mit den Gliedmaßen eingenommenen speziellen Form verweilt und dennoch die auszuführende Dynamik mit den Sinnen dirigiert, so sollte gleichermaßen das Denken einerseits weise, klar, beobachtend und dirigierend tätig sein und sich dennoch nicht in die Handlung verwickeln. Das Denken sollte frei von Emotionen und frei von den Zugriffen der willentlichen Gebärden des Körpers bleiben. Diese Freiheit des Denkens bei gleichzeitig aktiver Willens- und Empfindungstätigkeit symbolisiert das hohe und erhabene Geheimnis des sechsten Energiezentrums

Textquellen und Anmerkungen:

pūrṇa = voll, ganz

matsya = der Fisch

indra = der Herr

ardha = halb

āsana = das Sitzen, die Position

(1) Heinz Grill, Das Hohelied der Asanas, Lammers-Koll Verlag 2001, S. 110

(2) Matsyendra ist nach der indischen Mythologie der Name eines großen Weisen. Der Legende nach handelte es sich ursprünglich um einen Fisch, der sich neugierig aus dem Wasser hob, um den Worten Shivas zu lauschen. Dieser war gerade dabei, seiner Frau Parvati die 8.400.000 verschiedenen Yogastellungen zu lehren. Doch Parvati wurde müde und schlief ein. Da erhob sich der Fisch aus dem Wasser und schrieb die Worte Shivas nieder. (siehe auch B.K.S. Iyengar, Licht auf Yoga)

(3) Heinz Grill, Die Seelendimension des Yoga, Lammers-Koll Verlag 2018, S. 248

Bildnachweis (20-04-14): ajna-cakra, Bild von Benjamin Balazs auf pixabay, pūrṇa matsyendrāsana-Heinz Grill, Das Hohelied der Asanas, S. 106

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